Mit dem Blister über den Atlantik

Am 23.11. 13:00 Uhr starteten wir unseren Segeltrip über den Atlantik , zwar etwas sehr holprig , da der Marina Elektriker trotz vieler Bemühungen den Generator nicht reparieren konnte, wegen dem Defekt von zwei Kondensatoren sowie der Regler für die Lichtmaschine nicht getauscht wurde , dazu noch die verspätete Installation der Windgeneratoren.

Eigentlich war unser Plan , dass wir am 22.11.2019 starten wollten, aber wir vertrauten darauf, dass die Reparaturen durch geführt werden. Wir wurden eines Besseren belehrt. Der Elektriker entschuldigte sich zwar bei uns, aber der Generator funktionierte nicht, somit ein kleines Handicap, denn wir haben 1000 Liter Diesel + 100 Liter extra in Kanistern an Bord.

Sven checked nochmal das Wetter

Start , alles lief nach Plan, „Leinen los „und langsam schifften wir aus dem Marina Bereich zum Haupt Hafen, dabei verstauten wir alle Seile und die Fender verwahren wir sicher. Am Ende des Haupthafens setzen wir die Genua, Motor aus und wir genossen die Ruhe.

„ Endlich hat das warten ein Ende“

Start über den großen Teich , die innere Unruhe war verflogen , jetzt erwartete uns nur noch Neuland ! Wie lange werden wir brauchen für die Überfahrt, bleibt das Wetter normal angesagt waren wenig Wind für die ersten Tage, reicht Proviant und Wasser , passt die Stimmung an Bord ?! Fragen über Fragen .. aber jetzt erst einmal Erleichterung !

Kurz vor Ausfahrt wollte ich die Angel ins Wasser werfen, leider fand ich einen verwaisten Platz vor, da unsere Angel aus der Angelhalterung gefallen war. Ein herber Verlust, aber wir schauen nach vorn.

Sven bekommt Nachhilfe im Angeln

Im Kanal zwischen Santo Antao und Sao Vincente lag eine Düse an, 25-35 kt Wind aus West, somit war eine sehr schnelle Ausfahrt gesichert und wir freuten uns über einen schnellen gelungenen Start.

Nach 3 Stunden verließen wir den „Kanal“ uns erwartete ein starkes Wellen Kappelgebiet , die Wellen kamen aus allen Richtungen und Melanie und Werner wurden direkt etwas Seekrank, auch hier waren wir nach circa einer Stunde herausgesegelt und uns erwartete durch die Abdeckung der Berge kaum Wind. So dümpeln wir vor uns langsam hin.

Ab 20:00 Uhr ging es mit Motor weiter , da wir nur noch weniger als 5 kt Wind hatten. So ging es in die erste Nacht , welche sehr ruhig verlief, davor noch das rituelle Abendessen 18:00 Uhr, Nudeln und Tomatensoße, angesetzt, was uns jetzt fast jeden Abend begleitete.

Die große Flaute

Der erste Tag auf See, Schwachwind erwartete uns zwischen 7-12 kt Wind, dieser sehr moderate Wind begleitete uns jetzt die nächsten Tage und verhinderte ein schnelles vorankommen. Unser Blister Segel hat uns in dieser Zeit ohne viel Wind sehr geholfen , somit kamen wir die ersten Tage zwischen 100 und 115 sm pro Tag voran, aber wenn Böen kamen , war größte Eile geboten, das Blister Segel einzuholen und wir hatten unsere große Note , auch mit vorgestellten Genua Segel, auf dem Atlantik kann sich der Wind sehr schnell wechseln, dass lernten wir dabei ,sowie dass wir vor dem Abendbrot das Blister einholen sollten, da immer ab circa 18:00 Uhr ein stärkerer Wind um 15 kt einsetzte, welcher für den Blister ungeeignet war.

Am zweiten Tag bauten wir uns zwei Ersatz Angel aus Angelleine mit Ködern, die wir an der hinteren Winch befestigt haben , mit welcher wir auch am dritten Tag einen Fisch gefangen haben, wir waren mega happy. Gerade als wir ihn an Board holen wollten ist er uns entwischt 🙁

Aber es hat uns angespornt und wir wussten, dass wir Fische fangen konnten.

Improvisierte Angel

Am Mittwoch hatten wir zwei Gelbflossen Thunfische gefangen, davon habe ich eine leckere Fischsuppe gekocht. „Köstlich !!“

Bis Donnerstag 3:00 Uhr war alles normal , keinerlei Vorkommnisse , wir segelten die Schwachwinde ab.

Ein dumpfer Knall in der Nacht veränderte alles, genau konnten wir den Knall in der Nacht nicht lokalisieren, am Morgen sahen wir „die große Bescherung“ , wieder ist ein Harken der Wante an der Backbord Seite vorn gerissen .

Erst am nächsten Tag habe wir gesehen , dass die Wand ins Segel fiel und dort ein kleinen Riss hinterlassen hat.

Besser dort ein Loch als im Rumpf zu schlagen.

Wie kann unsere Reise weiter gehen ? 

Wir alle waren geschockt, aber wir begannen mit der Lösungssuche.

Wie können wir weiter segeln ? Zurück nach Mindelo 550 sm? Oder weiter nach Barbados 1500 sm. Wir informierten Contest, welche die Wanten neu 3/2018 einbauten. Damit auch dort nach Lösungen gesucht werden konnte.

Zwischenzeitlich haben wir mit einem Dynema Seil und einem Schäkeln eine neue Seil Want gebaut und sind vorsichtig mit wenig Tuch weiter gesegelt.

Eine gute Idee wie sich schnell herausgestellt hat, es war zwar kein Ersatz, aber es gibt dem Mast Stabilität.

Somit konnte es weiter in Richtung Barbados gehen!!

Zumindest war das unser Plan zum jetzigen Zeitpunkt!

Eine Zwischenlösung ?! Wir gingen auf Lösungssuche, um eventuell noch eine bessere Idee zu finden.

Endlich fingen wir auch wieder Fische , dieses mal zwei Gold Doraden. Wir haben sie uns am Abend mit Rösti kurz in der Pfanne angebraten. Auch wieder sehr lecker ;P

Nach dem Essen tauschten wir uns mit neue Ideen aus, wie wir die Want noch sicherer bauen können. Eine Idee war, mit Schäkel die alten Want zu verlängern und daraus eine neue Want zu bauen. Der größte Schäkel passte wie abgemessen in die Öffnung im Mast zum einharken der Want, dass viel uns schon beim Einsätzen mit dem Seil auf. Am nächsten Morgen bauten wir wieder die defekte Want mit den neuen Schäkeln an und zogen die Want fest , es stellt auf jeden Fall eine weitere Sicherheit dar. Segeln an Steuerbord ist nur mit circa 30% möglich und ohne Hauptsegel.

Schäkel zur Stabilisierung der Want

Seit dem Schaden kontrolliere ich täglich die Wanten.

Bis zum Sonntag, 1.12. begleitete uns das schwach Wind Gebiet und die meiste Zeit , tagsüber, segelten wir mit Blister, bis es am Sonntag 15:00 Uhr einen lauten Knall am Blister gab und das Blister fiel langsam ins Wasser.

„So ein Mist“ !!

Grund für den Knall war bis dahin unklar, schnell kamen alle aus ihren Löchern und halfen dabei das Blister Segel zu bergen. Melanie ist schnell ans Steuer gegangen und hat das Segel ohne Motor umrundet, während ich mit Uwe & Werner das Segel wieder ins Boot geholt haben. Dadurch das es sich so schnell mit Wasser vollgesogen hat, war es ganz schön schwer geworden.

Das Blister wurde unbeschädigt geborgen , was für ein „Glück. Außerdem sahen wir , dass sich das Auge vom Fall aufgerissen hatte und somit kein Halt mehr vorhanden war. Wir trockneten das Blister, indem wir das Fallseil auf der anderen Seite verwendeten ,das Blister setzten und kurz vor 18:00 Uhr bargen wir das Segel mit einem neuen Reparaturplan.

kaputtes Auge vom Fall des Blisters

Kaum ein Tag an dem nichts Neues passierte !!

Langsam reichte es uns, die Nerven lagen blank !!

Wir planten ein neues Fall für den nächsten Tag einzuziehen , dazu müsste einer von uns auf 30 Meter hoch, um ein neues Fall am Mast mit Behelfsleine einzuziehen. Diese Arbeiten gehen wir aber nur bei Schwachwind.

Aber es kam wieder alles anders als geplant!!

Über Nacht änderten sich die Witterungsverhältnisse , sowohl der Wind als auch die Welle zeigten sich am Morgen völlig anders. Der Wind stieg auf 15-30 kt an , die Welle auf 2-5 Meter, somit war an eine Reparatur im Mast auf 30 Meter nicht tu denken !!

Wir segelten mit der Genua an Backbord mit 50% wegen der gebrochenen Want, dadurch fuhren wir 5-8 kt, immer wieder brachten uns kleinere Schauer etwas Abkühlung, was bei den steigenden Temperaturen eher angenehm war. Mit jeder Nacht wurde es wärmer und wir konnten immer mehr Kleidungsstücke weglassen 😉

3.12./4.12. weiter ging es im schnellen Ritt über die Welle. Das Wetter blieb gleich, der Wind und die Welle wurden so stark , dass wir zwischenzeitlich 6-7 kt Fahrt hatten. Nachts war die Welle nicht zu sehen und es beginnt der Schleudergang, unsere Meerlust hat sich so aufgeschaukelt das kaum an Schlaf zu denken war. Das Defizit konnten wir dann aber Tagsüber nachholen.

Langsam kam die Board Routine.Unser gekauftes Brot von Mindelo wurde alle, somit war heute der erster Backtag. Ein einfacher Teig aus Mehl, Kümmel, Mineralwasser und Backpulver ergab ein leckeres Brot. Somit konnten wir den nächsten morgen ein frisches und selbst gebackenes Brot genießen.

Melanie hat heute Plätzchen dazu gebacken von den überreifen Bananen mit Haferflocken und Erdnussbutter.

Super lecker 😛

Sven geht unter die Brotbäcker 😉

Derzeit segeln wir dem Horizont entgegen und hoffen auf eine ruhigere Nacht.

Ruhig war diese Nacht leider auch wieder nicht, aber für alle Nächte gilt bei klarer Sicht, der grandiose Sternenhimmel, die Milchstraße und die vielen Sternschnuppen sind einmalig , wir könnten uns in den Himmel verlieben, da braucht es kein Fernsehen… jedes mal neue schöne Sternenbilder.

Hier könnten wir stehen bleiben !!

Wir segeln weiter mit Genua

Auf in den neuen Tag, zum Mittag nach 6 Tagen sahen wir das erste Segelboot, wir waren uns schon fast sicher, dass wir bis Barbados keine Schiffe mehr sehen werden, aber die Freude war groß, wieder andere Boote von weiten zu sehen. Jeden Tag finden die Sicherheitskontrollen statt, bis zum heutigen Tage halten unsere selbst gebauten Wanten. Aus Medemblik haben wir per Satelliten Telefon die Info bekommen, dass wir auf St. Lucia die Wanten gewechselt bekommen, hoffentlich hält bis dahin alles.

Es bleibt spannend, noch sind es 650 sm, wir rechnen mit der Ankunft am Dienstag 10.12. , aber ohne Eile !

Endlich wieder einen großen Fisch gefangen!!!

Der Mahi- Mahi, hat nicht nur unser Abendessen um 100% aufgewertet, sondern auch die Stimmung gehoben.

Die Männer haben ein Mahi-Mahi gefangen

Das zweite Wochenende auf dem Atlantik , wir folgen unserer Routine wie jeden Samstag, es gibt ein gekochtes Ei zum Frühstück, und am Abend , wie die letzten Tage einen Film, es sind nur noch 356 sm 21:00 Uhr .

Wir sehnen uns alle wieder Land zu berühren , die Unendlichkeit auf dem Meer ist so faszinierend , aber es wird Zeit für einen Landgang !!

Sonntag , nur noch 300 sm, der Wind bläst gut aus Westen, wir kommen schnell voran und schlagen fast jede Stunde neue Strecken Rekorde. Werden wir am Dienstag in Barbados einlaufen?

Ich spüre den Wunsch aller, denn alle beteiligen sich am schnellen vorankommen und wir wetteifern, wer während seiner Schicht die meisten Seemeilen geschafft hat.

Montag, leider wieder eine Nacht hinter uns mit wenig Wind, vielen kleinen intensiven Regenschauern und noch gute 210sm. Das Ziel Dienstag anzukommen rückt in weite Ferne.

Wir haben es fast geschafft 🙂

Der Morgen begann aber gut ,Wind setzte ab 7:00 Uhr ein und wir segelten mit gut 7 kt Fahrt. Gegen 10:00 Uhr wieder eine Flaute, wir bereiteten das Blister Segel vor. Nur schnell die  grösseren Regenwolken an Backbord vorbei ziehen lassen, welche ordentlichen Regen ca 10 sm abliessen, aber wir sind trocken geblieben.

Nach den Wolken veränderte sich das Bild, 15-20 kt Wind aus West , wir flogen durch die Welle bis in den Abend.

Melanie beim entspannen im Schatten

20:00 Uhr war es nur noch 90 SM ,irre wie schnell sich das Blatt wendete, heute zu unseren Gunsten.

Wir werden sehen was die Nacht und der morgige Tag bringt ,wer ruft zuerst

„Land in Sicht ?!“…

Wir sehnen uns schon sehr danach!!!

Nach einer sehr flotten Fahrt durch die Nacht erblickte ich 7:00 Ihr die Umrisse von Barbados

“ Land in Sicht’’

Grosse Freude bei allen, aber es sind noch gute 30 sm bis zum Hafen , Wind 20-25 kt, Welle 3-4 Meter von hinten.

Gegen 11:40 Uhr kamen wir in St. Charles an , einklarieren war sehr einfach, alle Behörden sitzen Tür an Tür. Danach haben wir uns für zwei Tage in der Marina mit unserer Yacht einquartiert, endlich mal in Ruhe schlafen.

Die Flasche Sekt wurde gleich noch geköpft , wir alle waren froh das Abenteuer gemeistert zu haben !

Jetzt heißt es einen Rigger & Segelmacher finden und Richtung St. Lucia & Grenadieren aufbrechen

 

 

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